Story

Coworking auf dem Land - Der Praxis-Leitfaden

Zusammen mit dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung haben wir einen kompakten Guide für den Einstieg in das ländliche Coworking erstellt. Tipps zur Gründung und für den laufenden Betrieb helfen beim Einstieg.

18.01.2021 Nicole Dau
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Was unterscheidet Coworking in der Stadt von ländlichem Coworking? Von neuer Dorfmitte bis Workation – welche Formen des Coworking gibt es? Wie gründe ich und was muss ich beachten bei Themen wie Finanzierung, den Räumen oder beim Standort? Wie gelingt der laufende Betrieb und wie funktioniert gutes Community Management? Welche Förderungen und mögliche Partner gibt es?

Diese und einige weitere Fragen hören wir immer wieder von Menschen, die sich zaghaft an das Thema ländliches Coworking herantasten und vielleicht sogar mit dem Gedanken spielen einen eigenen Space zu gründen. Dabei wollen wir natürlich helfen! Deswegen haben wir zusammen mit dem BMEL einen Praxisleitfaden erstellt, der kurz und bündig erste wichtige Informationen liefert. Werft doch mal einen Blick hinein:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/coworking-land-bule.html

Frauen vor!

Im Leitfaden findet ihr auch tolle Interviews mit spannenden Menschen aus verschiedensten Bereichen der Coworking-Landschaft. Das ist natürlich super! Allerdings ist uns leider erst zu spät aufgefallen, dass wir bei vier Interviews nur eine Frau dabei haben. Auch, wenn diese Frau natürlich großartig ist, sind wir darüber nicht glücklich. Es gibt sehr viele großartige Frauen im Coworking und es gibt keinen Grund diese nicht zu zeigen. Um unseren Fehler wieder gut zu machen, haben wir daher weitere Interviews mit Coworking-Frauen, oder solche, die es werden wollen, geführt. Diese veröffentlichen wir im Zusammenhang mit dem Leitfaden nun Stück für Stück und den Anfang macht unsere ureigene Jule, die bei CoWorkLand das Büro Herzogtum Lauenburg leitet und für die wissenschaftliche Begleitforschung zuständig ist. Wenn ihr noch mehr von Jule lesen wollt, blättert einfach mal im Leitfaden – da werdet ihr fündig.

Jule Lietzau, Torfhub-Gründerin und CoWorkLand-Mitarbeiterin

 

1.     Wie und wann bist du ursprünglich mit Coworking in Kontakt gekommen?

Jule: Das war 2017, als ich während meines Studiums eine Arbeit zum Thema Coworking verfasst habe. Damals habe ich mich mit städtischem Coworking beschäftigt und einen kleinen Space mit dem einer Kette verglichen. Da dachte ich mir: Sowas wäre doch für ein Dorf wie meinen Wohnort Bliestorf auch spannend. Aber zu dieser Zeit war Coworking im ländlichen Raum noch ein sehr neues Thema und es gab kaum ähnliche Projekte. 

2.     Wieso hast du den TorfHub aufgebaut?

Jule: Durch meine Studienarbeit habe ich ein Gefühl für den Mehrwert von Coworking bekommen und hatte den Eindruck, dass auch Dörfer stark davon profitieren können. Ich konnte sehen, dass Ortschaften sehr darunter leiden, wenn wir alle immer auspendeln zu den Unternehmen in den Städten. Tagsüber ist es in vielen Orten dann wie leergefegt, kaum jemand geht vor Ort einkaufen, soziale Aktivitäten finden eher in den Städten oder im Privaten statt.

Im Winter 2018 hatte ich dann auch einen kleinen Schlüsselmoment. Auf einmal fiel wahnsinnig viel Schnee. Daher sind an dem Tag viele Menschen spontan nicht zur Arbeit gefahren und auf einmal war richtig was los auf den Straßen. Da dachte ich mir: Ja, so kann es aussehen, wenn die Menschen nicht immer zur Arbeit wegfahren. Das gab mir einen Motivationsschub und ich wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen arbeiten können aber auch Initiativen, Gruppen oder Vereine ohne große Hürden zusammenkommen können. Der TorfHub soll ein Ort der Möglichkeiten sein – ob für Angestellte und Freiberufler oder aber für die Strickgruppe auf der Suche nach Räumlichkeiten. 

3.     Hattest du während der Gründung ein Netzwerk, auf das du für Fragen rund um die Gründung zurückgreifen konntest?

Jule: Als ich mich auf den Weg machte, hatte ich das Netzwerk noch nicht und es gab etliche Momente, in denen ich nicht weiter wusste. Das war mental auch hart, die Idee stieß häufig auf Unverständnis: „Was will diese junge Wilde denn jetzt? Was ist denn dieses Coworking – und dann auch noch Englisch! Dieser neumodische Kram.“ Da nicht aufzugeben, war nicht einfach. Dann lernte ich bei einem Treffen Gudrun Neuper kennen, die inzwischen auch das CoWorkLand-Regionalbüro Mecklenburg-Vorpommern leitet. Sie erzählte mir von dem damaligen Projekt CoWorkLand und was dort so passiert. Seitdem habe ich Gleichgesinnte gefunden und konnte dann nach einer PopUp-Coworking-Phase, die vom Kreis Herzogtum Lauenburg, unserer Wirtschaftsförderung, der Gemeinde Bliestorf und der CoWorkLand eG möglich gemacht und unterstützt wurde, tatsächlich einen festen Coworking-Space in der Nachbargemeinde Kastorf gründen.

Zwischendrin hatte ein Freund auch noch eine gute Idee, als ich noch gar keine mentale und praktische Unterstützung hatte. Er meinte, ich solle doch mal eine Anzeige in der lokalen Zeitung aufgeben und einfach mal fragen, ob sich jemand vorstellen könnte mit mir einen Coworking-Space zu gründen. So lernte ich Florian kennen, meinen Mitgründer für den TorfHub. Ganz ohne Netzwerk ist die Gründung eines Space definitiv sehr schwer.

4.     Hast du durch deinen kombinierten Background als Zimmerin UND Wissensarbeiterin einen anderen Blick auf das Coworking, als klassische Spaces?

Jule: Bei der Ausgestaltung der Angebote innerhalb des Space und auch bei der Strategie als Ganzes unterscheidet sich der TorfHub nicht stark von anderen Coworking-Spaces. Generell habe ich aber natürlich schon eine große Affinität zum Handwerklichen und möchte das auch gerne stärker bei uns etablieren. Von Makerspaces und Werkstätten können meiner Meinung nach auch durchaus innovative Impulse auf die Region ausgehen.

Wenn man im Team gründet, ist es bestimmt von Vorteil, Menschen mit vielfältigen Hintergründen dabei zu haben. In unserem Fall ist mein Mitgründer Florian seit vielen Jahren selbständig und konnte dadurch einiges an Erfahrung rund um Steuern und andere organisatorische Dinge mit einbringen. Als Zimmerin habe ich die räumlichen Fragen unter meiner Fittiche genommen und mich da sicher gefühlt. So ergänzen wir uns prima und natürlich ist es auch nicht schlecht, wenn man gerade in der Anfangsphase viele Baumaßnahmen selbst umsetzen kann, um Geld zu sparen. Dafür muss man bestimmt nicht extra eine Ausbildung machen, aber keine Angst vor Werkzeugen zu haben und auch selbst Hand anlegen zu können, erleichtert den Start sehr.


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