Wie gelingt es ländlichen MehrWertOrten, sich nicht nur zu gründen, sondern dauerhaft zu etablieren? Diese Frage steht im Zentrum unseres vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Forschungsprojekts „InnovationsOasen“. Denn viele Initiativen im ländlichen Raum zeigen bereits heute, wie viel soziale, wirtschaftliche und kulturelle Innovationskraft vor Ort entsteht. Die entscheidende Frage ist nur: Welche Werkzeuge brauchen sie, damit aus engagierten Anfängen stabile Strukturen werden?
Genau hier setzt unser Projekt an. Wir wollen gemeinsam mit Initiativen aus der Landvorteil-Region – dem Landkreis Ludwigslust-Parchim und dem Kreis Herzogtum Lauenburg – herausfinden, welche Konzepte, Methoden und Unterstützungsangebote ländliche Innovationsorte wirklich weiterbringen.
Vom Innovationsatlas zu konkreten Unterstützungswerkzeugen
Die Grundlage dafür bildet unser Vorprojekt „Innovationsatlas“. Darin wurden innovative Praktiken und Akteur*innen in der Landvorteil-Region qualitativ kartiert. Aus dieser Arbeit konnten wir erste zentrale Bedürfnisse ländlicher Initiativen ableiten.
Drei Herausforderungen haben sich dabei besonders deutlich gezeigt:
Erstens geht es um wirtschaftliche Tragfähigkeit. Viele Orte und Initiativen leisten wichtige Arbeit für ihre Region, sind aber stark von Projektförderungen oder öffentlichen Geldern abhängig. Für eine dauerhafte Verankerung braucht es Modelle, die mehr Eigenständigkeit ermöglichen.
Zweitens brauchen viele Initiativen strukturelle Stabilität. Engagement im ländlichen Raum hängt häufig an wenigen Schultern. Damit Orte langfristig bestehen können, müssen Aufgaben besser verteilt, Beteiligung gestärkt und personelle Lasten reduziert werden.
Drittens spielt die Einbettung in die lokale Gesellschaft eine zentrale Rolle. Ein MehrWertOrt kann nur dann dauerhaft wirken, wenn er nicht als Projekt einzelner Engagierter wahrgenommen wird, sondern als relevanter Bestandteil des regionalen Zusammenlebens.
Diese drei Punkte sind für uns keine abschließenden Antworten, sondern Arbeitshypothesen. Sie bilden den Ausgangspunkt für die nächste Projektphase.
Warum Praxiswissen entscheidend ist
In den vergangenen Monaten haben wir umfangreich Literatur gesichtet, bestehende Forschungsstände ausgewertet und passende Beteiligungsformate für das Vorhaben geplant. Doch ländliche Innovationsorte lassen sich nicht allein am Schreibtisch verstehen.
Ihre eigentliche Expertise liegt in der alltäglichen Praxis: in geöffneten Räumen, ehrenamtlichen Vorstandssitzungen, schwierigen Finanzierungsfragen, spontanen Kooperationen, mühsam aufgebautem Vertrauen und den vielen kleinen Entscheidungen, die darüber bestimmen, ob ein Ort wächst, stagniert oder wieder verschwindet.
Deshalb starten wir ab dem 8. Juli mit unseren Innovationsorte-Werkstätten. Dazu laden wir gezielt recherchierte Initiativen aus der Projektregion ein, um ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Lösungswege besser zu verstehen.
Die Werkstätten finden statt am:
- 8. Juli in Mölln
- 11. Juli in Lübz
- 31. Juli in Hagenow
- 21. August in Ludwigslust
- 22. August in Schwarzenbek
Die Teilnahme erfolgt auf Einladung. Ziel ist es, mit den Akteur*innen vor Ort tiefer in die Praxis einzusteigen: Was funktioniert bereits? Wo entstehen Reibungen? Welche Unterstützungsformen fehlen? Und welche Methoden könnten auch für andere ländliche MehrWertOrte übertragbar sein?
Vom Zuhören zum gemeinsamen Entwickeln
Im weiteren Projektverlauf wollen wir nicht nur analysieren, sondern gemeinsam mit ausgewählten Initiativen an konkreten Konzepten und Methoden arbeiten. Dabei verbinden wir unser Vorwissen aus CoWorkLand, die Erkenntnisse aus dem Innovationsatlas und die Erfahrungen der Menschen, die solche Orte täglich gestalten.
Im Mittelpunkt stehen keine abstrakten Blaupausen. Vielmehr geht es um praxistaugliche Werkzeuge für reale Herausforderungen: tragfähige Geschäftsmodelle, bessere Organisationsstrukturen, lokale Beteiligung, nachhaltige Kooperationen und Formen der Verstetigung.
Zum Abschluss sollen die entwickelten Ansätze in Reallaboren getestet werden. So können wir überprüfen, welche Methoden unter realen Bedingungen funktionieren, wo sie angepasst werden müssen und welche Erkenntnisse für andere Regionen nutzbar sind.
Das Projekt läuft bis zum 31. Dezember 2028. Die Ergebnisse sollen anschließend direkt in die Beratung und Mitgliederangebote von CoWorkLand einfließen, unter anderem in Formate wie die Masterclass MehrWertOrte.
Warum das für CoWorkLand wichtig ist
Für CoWorkLand ist das Projekt mehr als ein Forschungsvorhaben. Es berührt eine zentrale Frage unserer Arbeit: Wie können Orte im ländlichen Raum so unterstützt werden, dass sie dauerhaft einen Mehrwert für ihre Region schaffen?
MehrWertOrte sind keine bloßen Arbeitsorte. Sie können Treffpunkte, Möglichkeitsräume, Impulsgeber, Bildungsorte, Kulturorte, Gründungsorte und soziale Infrastruktur zugleich sein. Gerade in ländlichen Regionen entstehen dadurch neue Formen von Zusammenarbeit, Versorgung und regionaler Entwicklung.
Damit diese Orte nicht nur kurzfristig entstehen, sondern langfristig wirken können, braucht es Wissen, Netzwerke und belastbare Werkzeuge. Genau daran arbeiten wir mit InnovationsOasen.
Ihr seid Teil der Region? Dann lasst uns reden.
Ihr gestaltet selbst einen Ort, eine Initiative oder ein Projekt in der Landvorteil-Region und wir haben bisher noch nicht miteinander gesprochen? Dann freuen wir uns, von euch zu hören.
Uns interessiert, welche Erfahrungen ihr vor Ort macht: Was trägt eure Arbeit? Wo hakt es? Welche Unterstützung wäre wirklich hilfreich? Und welche Ideen könnten auch für andere ländliche MehrWertOrte spannend sein?
Auch wer nicht direkt aus der Projektregion kommt, aber die Entwicklung von InnovationsOasen verfolgen möchte, kann sich gerne melden. Wir teilen im Laufe des Projekts Zwischenergebnisse, Einblicke aus den Werkstätten und Erfahrungen aus den späteren Reallaboren.
Ansprechperson für das Projekt ist:
Kay Riehn
kay@coworkland.de
